Elizabeth Weckes

Home and away"

Rede zur Ausstellungseröffnung "Elizabeth Weckes - Home and away", Haus für Kunst und Geschichte, Kerpen, 06.05.2011, 19.30 Uhr

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe KunstfreundInnen, sehr geehrte Frau Weckes,

Mit dem "verzauberten Blick" auf die Fremde, aber auch zugleich mit dem präzisen Blick der Forscherin für das Detail, für die frappierende Maskerade ihrer Studienobjekte, für das Gesetzmäßige der Natur, für den überreichen Kosmos tropischer und heimischer Flora und Fauna und die Wechselbeziehungen in ihm, gehen wir mit der Malerin Elizabeth Weckes auf eine Reise in eine phantastische Welt, unternehmen eine Expedition in die entlegensten Winkel einer Terra incognita.

Ein wundersamer "orbis pictus" breitet sich vor uns aus, bebildert mit großformatigen Gemälden, die nicht zuletzt wegen ihrer überzeugenden Ästhetik, einer sonderbaren Schönheit, einer wunderlichen Pracht unsere Neugier und unser Staunen erwecken.

Warum erscheint uns diese Malerei wie eine Verzauberung, meine Damen und Herren? Es ist die Besonderheit von Malerei im Allgemeinen, einer Malerei, deren Ausdrucksmittel wir nicht auf den ersten Blick ergründen können, weil sie an das Unbewusste rührt. Dennoch kann man klar sagen, wie die Beeindruckung durch diese Bilder zustande kommt. Man erlebt mit den Augen etwas, was man in solcher Deutlichkeit allenfalls im Traume schaut: dass scheinbar immaterielle Qualitäten wahrgenommen werden können. Dies geschieht dadurch, dass Formen und Farben von gewöhnlichen Gegenständen unter besonderen Perspektiven und Wahrnehmungsbedingungen und in besonderer Auswahl und Zuordnung sich zu typischen Stimmungen, Mustern oder Figuren verbinden, die die dingliche Wiedergabe überlagern. Damit diese Verzauberung wahrgenommen werden kann, muss die bildliche Illusion ungebrochen sein und müssen die "höheren" Eindrücke aus der Konsequenz der Betrachtungsweise entwickelt sein. Elizabeth Weckes ist eine Malerin, die solchen Wirkungen nachspürt, sie wählt und ordnet ihre Motive, dreht und beleuchtet sie und hebt in der Art der zeichnerischen und malerischen Aufzeichnung die "faszinierenden" Aspekte heraus. Das sind die, in denen und durch deren Kombination sichtbar wird, was nicht selbstverständlich in den abgebildeten Objekten steckt.

Und da ist es jene uns in den Bann ziehende, ja, betörende Farbigkeit der Ölgemälde. Die Strahlkraft kommt einerseits zustande, indem die Künstlerin die Ölfarbschichten lasierend übereinanderlegt, andererseits, weil sie hauptsächlich Komplementärfarbkontraste einsetzt. Dieser malerische Trick darf für die Wirkung der Gemälde nicht unterschätzt werden. Der Komplementär-Kontrast beschreibt die Wirkung zweier Farben, welche im Farbton die größte Verschiedenheit haben, so grün zu rot, blau zu orange und gelb zu violett, da sie im Farbkreis diametral gegenüber liegen. Durch Ihre Gegensätzlichkeit steigern sich Komplementärfarben gegenseitig, d.h. sie steigern sich direkt nebeneinander platziert zu höchster Leuchtkraft, zur höchsten Farb- und Lichtwirkung. Da sich die Komplementärfarbpaare gegenseitig steigern, kommt jede Farbe voll zur Wirkung. Komplementärfarbenpaare rufen den Eindruck von Bewegtem, Lebhaftem, aber auch vom Vollständigen und Abgeschlossenen hervor.

Allein schon diese bewusste und fast durchgängige Verwendung dieser malerischen Technik lässt einen Hinweis auf eine inhaltliche Bedeutungsebene der Farbe zu, denn in der gesamten Malerei von Elizabeth Weckes sind wir konfrontiert mit Gegensätzlichem: mit Ruhe und Bewegung, mit Hitze und Kälte, mit Leben und Tod, mit prächtiger Flora und öder Brachlandschafte, mit Vitalität und Morbidität, mit Nähe und Ferne, mit Licht und Schatten, mit Verletzlichkeit und Bedrohung: das Werden neben dem Vergehen.

"Gegen den Reiz der Farben, welche über die ganze sichtbare Natur ausgebreitet sind, werden nur wenige Menschen unempfindlich bleiben", schrieb Goethe 1791 in seinen Beiträgen zur Optik, und es bleibt seine "ewige Wahrheit, dass wir uns in der Welt spiegeln und die Welt sich in uns!", meine Damen und Herren.

Die gebürtige Willicherin Elizabeth Weckes, die sich selbst als "Sammlerin und Jägerin" bezeichnet, und ihr Studium der Malerei mit dem Akademiebrief bei Prof. Kuhna an der Kunstakademie Münster abschloss, ist eine Weit -und Vielgereiste. Arbeitsstipendien und Gastdozenturen führten sie u.a. nach New Mexico, Paris, Indien und Australien.

Weckes arbeitet mit Erinnerungsspuren ihrer Reisen. Einmal ist es die Exotik einer nur an einem bereisten Ort wachsenden Pflanzenspezies, die sie sozusagen se(h)ziert, ein anderes Mal ist es die Historizität eines Ortes, an der sich ihre Erzählung und Fantasie entflammt.

Nun bringen uns heute Darstellungen und Studien von exotischen Vegetationsformen und Lebewesen in einer Welt, in der durch Google Earth mittels Mausklick ein Blick in jeden Winkel der Welt möglich ist, nicht mehr zum großen Staunen, wie etwa die Zeitgenossen von jener Naturforscherin Anna Maria Sibylla Merian (1647-1717) über deren botanische Studien, die sie von ihrem Aufenthalt in Surinam Anfang des 18. Jahrhunderts in das heimische Frankfurt mitbrachte. Was uns bei diesen Gemälden vielmehr zum Staunen bringt, ist die Drastik der Zuordnung der gemalten Objekte, die sie, immer von Ambivalenzen bestimmt, zu einem dann doch vollständigen und abgeschlossenen Kosmos zusammenfügt.

Angefüllt mit den Eindrücken, den "Souvenirs", oder, wenn man so sagen darf Jagdtrophäen in Form von einem reichen Bestand an Skizzen und Fotografien, ordnet die Künstlerin in ihrem heimischen Atelier ihre Erinnerungsspuren, schreibt sie mit jedem Pinselstrich der Leinwand ein - auch als eine Möglichkeit der Annäherung an das Überwältigende, Irritierende, Fremde ferner Kulturen, Lebensformen , Architekturen und Landschaften.

Das Reisen, das räumliche und gedankliche Zurücklassen der angestammten Heimat bedeutet immer einen Perspektivenwechsel. In der Kunstgeschichte gibt es viele Beispiele dafür, allen voran vielleicht Paul Gauguin, einer der Bahnbrecher der modernen Malerei, zeit seines Lebens auf der Suche nach dem "verlorenen Paradies". In seiner Jugend fuhr er zur See, war in Paris als Börsenmakler tätig, bis er unaufhaltsam seine Berufung zum Maler spürte. Er ließ die bürgerliche Welt hinter sich und fand zuerst in der wilden und urtümlichen Bretagne und schließlich fern in der Südsee seine künstlerische Erfüllung. Es ist die Suche nach dem ganz Anderen, nach dem Neuen und vielleicht auch nach dem "verlorenen Paradies", was auch Elizabeth Weckes antreibt, wenn sie die weitesten Wege rund um den Globus nimmt.

Die Auswahl des Motivs funktioniert bei Elizabeth Weckes subtil und spontan, dennoch nicht zufällig, formuliert sich aus einem Imaginierten, Traumhaften heraus, dass seine Wurzeln in einer sensiblen Wahrnehmung der Umgebung und des Erinnerten schöpft. Da sind es z.B. die wild rankenden Tulpen, in einer filigranen zerbrechlich erscheinenden Vase stehend, mit ihren dem Betrachter zugewandten weitgeöffneten Blüten und den riesigen Fruchtstempeln, die sich wie ein heftiger Regenschauer aus ihnen zu ergießen scheinen. Abgesehen davon, dass wir uns hier vor einem Bildgenre finden, dass insbesondere als Blumenstilleben von den niederländischen Meistern des 17. Jahrhundert zu voller Blüte gebracht wurde, können wir ohne das Wissen, welchen Anlass die Künstlerin zu diesem Bild hatte, seine emotionale Anziehungskraft auf uns ganz unwillkürlich spüren: Die heimatlichen harmlosen prächtig-schönen Tulpen in ihrem auch Vergänglichen, erscheinen bedrohlich, uns gar mit weit aufgerissenem Schlund verschlingen zu wollen, uns wie "Höllenhunde", so auch der Titel der Arbeit, in einem Albtraum verfolgend.

Hinter dem Motiv steckt aber darüber hinaus noch eine ganz bestimmte Beobachtung, die die Malerin bei einem Aufenthalt in Paris gemacht hat: Es sind die Wasserspeier der gotischen Kathedralen von Paris, etwa von Notre-Dame, jene bizarren, schrecklichen und zuweilen grotesken tierischen architektonischen Formen, aus deren Maul das Wasser nach einem Regenguss in mächtigen Schwällen in die Tiefe schießt. Eben jenes Erinnerungsbild verarbeitet Weckes, wieder in der Heimat angekommen, mittels des profan erscheinenden Motivs der Tulpe. Dabei bedient sie sich surrealistischer Stilmittel, um, wie es André Breton in seinem "Surrealistischen Manifest" 1924 formulierte, "das Unwirkliche und Traumhafte sowie die Tiefen des Unbewussten auszuloten und den durch die menschliche Logik begrenzten Erfahrungsbereich durch das Phantastische und Absurde zu erweitern".

Es ist eine Malerei, die im innerlichen Sinne außermenschliche Ansichten sucht. Gewiss entrückt jede Kunst, vehement oder leise, die gewohnte Welt auf ihre Weise dem Alltag, um sie neu erscheinen zu lassen; diese aber ist von einem "unbezähmbaren" Drang ergriffen, in ihrer Anschauung die Grenzen des "nur" menschlichen zu überschreiten. Die Themen der Gemälde von Elizabeth Weckes erscheinen wie in Extremzuständen: wie im Fiebertraum, im Albtraum oder in äußerster Angst - und, diese Zustände am Rande des Menschlichen rufen neue, unerhörte Gesichte heran. Die sichtbare und vorgestellte Welt - Menschbild, das sie grundsätzlich als Schattenriss zeigt, Landschaft, Stillleben werden unter der Oberfläche der irisierenden und einnehmenden Farbigkeit gleichermaßen fremd, entstellt, schauervoll, fragwürdig. Es werden der Mensch und seine Welt von einer Art Entfremdung und Totenstarre ergriffen, die vertrauten Dinge werden zu fremden, die lebendige Natur wird zur "nature morte".

Die Nähe der Kunst zum Tode und seiner erstarrenden Atmosphäre ist in der Geschichte der Kunst schon früher dagewesen, in jener antiklassischen Kunst, die mit dem Namen der "Romantik" nur oberflächlich erfasst wird. Dort bricht aus den Urgründen des Menschlichen eine erhabene Nachtansicht des Lebens, der Natur und der Antike hervor. Aber bewahrt ist in dieser Bedrohung die Würde des Menschen. Er behauptet sich in der Hingabe an das unnahbar gewordene All in der Kunst sein Gesetz gegenüber dem Chaos, um das er tief weiß.

Elizabeth Weckes verbindet mit dem Todesbewusstsein, das tausendfach hinter allem Lebendigem lauert und es in den Schattenbildern in Masken des Todes verwandelt - das ebenso in einer welken Blume, einem Schädel eines Krähenvogels, ja in einem Stillleben von Fasan, Papagei und Sittich seine ganzen Schauer sichtbar macht -, der angstvolle Zweifel an der Würde und dem Wesen des Menschen, sei es als schmerzlicher Verzicht, sei es als zynische Entstellung. Diese Todesnähe ist jedoch nicht tragisch, sie ist infernalisch und sie bejaht das Chaos. Das Nebeneinander verschiedener Bildelemente, entstammend der paläontologischen, mikroskopischen, anthropologischen oder architektonischen Anschauung in einer Zusammenführung von Gegensätzen erscheint so fremd, insbesondere aufgrund auch der scheinbaren Bezugslosigkeit, dass eine plötzliche Verschärfung der Imaginationskräfte evoziert wird.

Die Gemälde sind gespickt von Dualitäten. Vitalität steht neben Morbidität, das Werden neben dem Vergehen. Häufig umkreist die Malerin in Serien ein Motiv, das ihr Interesse insbesondere wegen seiner Ambivalenz zur Umwelt, der inneren Welt der eigenen Befindlichkeit und der äußeren Welt des Seins geweckt hat. Nach ihrem Australienaufenthalt begann sie 2009 mit einer Folge von Gemälden unter dem Arbeitstitel "Paradies".

Der Paradiesvogel, der als Symbol für die Nähe des Himmels seit dem 17./18. Jahrhundert verstanden wird, soll nach der Legende vom fußlosen Paradiesvogel niemals die Erde berühren. Diese Legende beruht darauf, dass die ersten präparierten Bälge von Paradiesvögeln ohne Beine nach Europa gelangten. Weckes hat diesen Singvogel in natura in seiner natürlichen Lebensumgebung in den tropischen Regenwäldern im Nordosten Australiens und am Präparat im Naturkundemuseum in Queensland studieren können. Er ist dort in seiner Heimat zu beobachten wie die Singvögel vor unserer heimischen Haustür. Insbesondere das Männchen fällt auf durch seine Farbenpracht mit oft verlängerten Schmuckfedern, die er bei der Balz, die zumeist auf Bäumen stattfindet, durch Aufrichten und Abspreizen der Schmuckfedern in auffälliger Weise zur Schau stellt, während er den Kopf nach unten gen Boden richtet. Diese Haltung irritiert den Betrachter sehr wohl, verbinden wir doch mit dem "Kopf-über" den freien Fall, das Stürzen, während es sich hier ja um die Werbung der Kreatur um Fortbestand handelt und die damit verbundene Hoffnung auf ewiges Leben, das ihm einerseits in der Idylle inmitten von Eukalyptusblüten in Erfüllung gehen möge, andererseits in der feindseligen Umgebung der Ödnis einer unendlichen, an eine Industriebrache erinnernde, Landschaft ihm das Glück auf die Ewigkeit verwehrt scheint. Geradezu verzweifelt und entwurzelt auf einem blattlosen Ast sich haltend scheint er sein ganzes Unglück herauszuschreien, ganz ähnlich wie der Paradiesvogel ein trauriges Lied über seinen Schmerz und seine Einsamkeit, seine Angst und Trauer über das augenscheinlich verlorene Paradies in dem gleichnamigen Gemälde singt, voller Poesie und drastischer Schilderung.

Die Kunst von Elizabeth Weckes ist nicht interessant, weil sie eben nicht in das innerlich und äußerlich Wesenlose und in das theatralische Feuerwerk abstürzt, sondern verbunden ist mit einem tiefen Bild der Natur und des Menschen, der sich ehrfürchtig den Elementen der Natur gegenübersieht. Es ist ein Behaupten der menschlichen Mitte in der gefährlichen Weite der Möglichkeiten, die uns durch Technik und Globalisierung gegeben sind, bis hin zur Vernichtung unserer eigenen Lebensgrundlagen.

Dieses Bild der Apokalypse malt Weckes häufig, ein Beispiel dazu die "Schädelstätte" von 2009. Die Arbeit zeigt im Vordergrund einen Vogelschädel - wie ein Totem auf einen Ast gespießt - im Mittelgrund Skelette und Vogelkadaver, im Hintergrund vor irisierender grüner Himmelsphäre einen balzenden Paradiesvogel. Der Einwand gegen das Bild ist nicht, das es widrige Dinge darstellt: neben den Vogelschädel, die Kadaver und den Geist des Paradiesvogels - nicht, dass es unästhetisch ist, im Gegenteil. Rein genommen ist das Bild von einer großen inneren Konsequenz und "Dichte" - ein tiefes inneres Zusammenstimmen der Gegenstände mit den Formen und Farben -, unheimliche "Symphonie der Verwesung". Das Versenken in das Bild führt in das Reich des Morbiden, und dies ist umso gefährlicher, als es mit Meisterschaft das Verführerische dieser Region ins Bild bringt, das Bezaubernde, den "tödlichen Duft", den wir auch bei dem Bild "Guardian angel", das im selben Jahr wie die "Schädelstätte" entstanden ist, verspüren.

Wie ein Schutzschild bedeckt eine Orchideenblüte den Leib des in einem unendlichen Raum schwebenden, wie im Tode ewig schlafenden Vogels. Er ist geschmückt für seine letzte Reise und nicht zufällig ist es eine Orchideenblüte, die wie ein Grabtuch seinen Körper sanft umhüllt, denn von vielen alten Kulturen wurde sie als Heilige Blume verehrt, wie etwa von den Azteken, die sie in den Gärten ihrer Heiligtümer kultivierten, lange bevor die Spanier das Land eroberten. Daneben finden sich zwei Blüten der Anthurie, einer Tropenbewohnerin, die auch als "Flamingoblume" bekannt ist. Die Blütenform erinnert an ein Herz und fasziniert durch ihre lack-rote Farbe. Daher gilt sie als ein Symbol für Gast-Freundschaft, Familienglück und Zuneigung. Das, wonach wir uns gesehnt haben, wenn wir, aus der Fremde kommend, wieder in der Heimat angelangt sind - Geborgenheit.

Häufig finden wir in den Gemälden Blüten, die eine symbolische Kraft haben, so die "Tagetes". Die bei uns in den Vorgärten blühende wenig prominente "Studentenblume", hat in Indien eine große rituelle Bedeutung. So wird sie den Touristen in Ketten geflochten als Willkommensgruß um den Hals gelegt und dient als heilige Blume dem Schmücken der Tempel. "Indian welcome" und "India Gate" sind nach einem zweiwöchigen Aufenthalt in Delhi und Umgebung entstanden.

Eine Stadt, die bestimmt ist von Chaos und Stimmengewirr, von Armut und Reichtum, von Pracht der Tempelbauten und Slumhütten, von fremden Gerüchen, von wunderschönen Frauen in kostbaren Saris, die mit ihren Einkäufen auf lehmigen Straßen laufen, an deren Rändern Kinder, Frauen, Greise und Kranke um ein Stück Brot betteln, eine Stadt auf deren Straßen öffentlich gestorben wird, während das laute und vitale Leben an dem Sterbenden fast selbstverständlich vorübergeht, eine chaotisch zusammengewürfelte Stadt, von verzweifelter Unruhe und dem Elend abgetrotzter Ruhe in den Tempelchen, die sich allerorten finden.

In dem Glanz des vitalen Gelbs findet sich die Sonne, die alles in ein goldenes Licht zu tauchen scheint, während gleichzeitig signifikante Vanitassymbole wie Schädel und Skelette auf den Tod verweisen. Elizabeth Weckes ist eine Meisterin der Formulierung von Polaritäten. Und es nützt nichts, solche beunruhigenden Erscheinungen zu bagatellisieren und es jenen gleichzutun, "welche wie Kinder vor dem, was sie fürchten, nämlich dem Scheußlichen im Menschen und in der Natur, oder dem, was sie geniert, die Augen zudrücken und anderen zuhalten und sodann dasselbe leugnen, ignorieren oder verleugnen, das in majorem Dei gloriam lügen" (Franz von Baader).

Bei den Arbeiten von Elizabeth Weckes hilft es nicht, sich damit zu beruhigen, dass man diese Dinge etwa als bloße Extravaganzen oder Spielereien des Geistes abtut. Vielmehr zeigt uns die Künstlerin etwas von dem Zustand der Welt, etwas von dem Sturz des Menschen, den Nietzsche schon erfahren hatte, als er 1881 sein Fragment "Der tolle Mensch" schrieb:"Stürzen wir nicht fortwährend? Nach rückwärts, seitwärts, vorwärts, nach allen Seiten? Gibt es noch ein Oben und Unten? Irren wir nicht durch das unendliche Nichts? Haucht uns nicht der leere Raum an? Ist es nicht kälter geworden?"

Meine sehr geehrten Damen und Herren, Sie können nun ihre Sicherheitsgurte ablegen. Ich hoffe Sie hatten - trotz einiger Luftturbulenzen - einen angenehmen Flug und verabschiede mich im Namen der gesamten Crew. Ich darf Ihnen einen angenehmen Aufenthalt wünschen und darauf hinweisen, dass Ihnen mit Frau Elizabeth Weckes eine versierte Reisebegleiterin zur Verfügung, die ihnen gerne ihre Fragen zu den Besonderheiten dieses fremden Landes beantwortet. Leben sie wohl!

Dr. Susanne Höper-Kuhn, Kunsthistorikerin, Düsseldorf